Spricht man über geteilte Länder, fallen einem das 40 Jahre geteilte Deutschland, Vietnam, Korea oder auch der Jemen ein.
Wer aber denkt in diesem Zusammenhang an Karelien?
Für alle genannten Länder ist charakteristisch, dass sich die Teile politisch entgegengesetzten Lagern zugehörig fühlen bzw. fühlten.
Da macht Karelien keine Ausnahme.
Worin aber unterscheidet es sich von den "Leidensgefährten"?
Während es sich in den anderen Fällen um jeweils souveräne Staaten
handelt, gehören die beiden Teile Kareliens zu verschiedenen
Ländern, zu Russland und zu Finnland.
Und in beiden wird eine andere Sprache
gesprochen.
Wir haben Finnisch-Karelien und auch die Republik Karelien in Rußland bereist und mögen beide ungleichen Schwestern.
Die eine niedlich und herausgeputzt wie ein Püppchen, die andere urwüchsig und aufmüpfig wie ein Teenie.
Peter der Große (Zar - 1672-1725) zur Begründung seines Anspruches auf das Gebiet der Karelischen Landenge
- "Die Damen von Sankt Petersburg konnten nicht ruhig schlafen, solange die finnische Grenze derart dicht bei unserer Hauptstadt verlief."
Für neuen Diskussionsstoff im Dauerthema Karelien hat der Mathematiker Markku Ryynänen gesorgt.
Selbst karelischer Abstammung, hat er errechnet, das 600.000 in Finnland lebende Personen "halbe" Karelier sind.
Das entspricht 11,5 % der Bevölkerung.
In seine Berechnungen hat er die 400.000 Karelier, die nachdem im Ergebnis des Winterkrieges ein Teil Kareliens an die Sowjetunion gefallen war, in Finnland Aufnahme gefunden haben, die zwei hier geborenen Generationen und die Geburtenrate einfliessen lassen.
Die Finnische Karelien Liga, mit 50.000 Mitgliedern eine der größten Organisationen des Landes setzt sich für die Rückkehr des russischen Teils von Karelien nach Finnland ein.
Die Meinungen zu dieser Frage im Volk sind jedoch geteilt. Viele denken, dass es für eine Wiedervereinigung zu spät ist.